Mittwoch, 29. Mai 2013

10 Fakten und Kuriositaeten ueber Brasilien

1. Essen Essen ist in Brasilien sehr wichtig. Die Brasilianer essen gerne und viel und das sieht man vielen auch an ;) Auch Fastfood ist hier natuerlich angekommen. Es gibt sehr viel mehr Fast Food-Ketten als bei uns und in jeder Mall (von der es hier viele gibt) gibt es einen Foodcourt mit einer riesigen Auswahl an Anbietern von Nahrung. Immer darunter vertreten ist natuerlich Mc Donald's und Subway. Sehr bemerkenswert finde ich, mit wieviel Sorgfalt die Brasilianer ihre Burger essen. Dieser wird NIE mit den blossen Fingern angefasst, stattdessen wird immer eine Serviette zur Hilfe genommen. Auch der Ketchup wird nicht wie bei uns meistens auf das Tablett gequetscht, sondern fein saeuberlich auf jedes einzelne Pommes-frites portioniert. Jedoch nich nur Pommes werden hier mit Ketchup gegessen. Sogar auf Pizza wird Ketchup gegeben. Wenn das die Italiener wuessten. Viele Plaetze bieten Buffets an, bei denen man sich selber bedienen kann. Man nimmt sich was und wieviel man will, am Ende wird es gewogen und bezahlt. Ich finde das sehr praktisch, denn man kann alles einmal probieren und die Menge selber festlegen. Das gleiche gibt es auch mit Kuchen, oder besser gesagt Torten. Jeder Kuchen sieht hier aus wie eine Hochzeitstorte, hat unendlich viele Schichten und ist mit einer dicken Schicht Zuckerguss oder was auch immer ueberzogen. Ja, die Brasilianer moegen es suess. Sie suessen ihre Saefte und ein richtiger Kaffee muss auch richtig suess sein. Leider ist er hier immer sehr klein und wird deshalb auch "cafezinho" genannt. Kaffee ist eine Sache, die ich hier echt vermisse. Komisch, eigentlich dachte ich, ich befaende mich im Land des Kaffees, aber kaum einer von den Leuten, die ich hier kenne, mag Kaffee, stattdessen wird hier viel Saft getrunken, aus jeder erdenklichen Frucht. Sogar aus Avocado wird hier ein "Vitamina", ein Milchshake gemacht. Die Auswahl an Fruechten hier ist echt unerschoepflich. selbst die Brasilianer kennen sie nicht alle und auf der Strasse werden ueberall Fruechte verkauft, in den unterschiedlichsten Formen und Farben, Graviolas, Jacas, Pitangas, Goiabas, Acerolas, Caja, Caju, Pitomba, Maracuja, Manga, ..Saft bekommt man hier ueberall und das auch sehr guestig. Und auch Kokusnuesse gibt es an jeder Strassenecke, die hier als Coco Verde verkauft werden und frisch mit der Machete aufgeschlagen werden. Ein sehr erfrischendes uns gesundes Geschmackserlebnis, dass ich in Deutschland sehr vermissen werde und Kopfschmerzen werden durch den hohen Elektrolytgehalt im Kokoswasser sofort weggezaubert. Die wichtigste Mahlzeit hier ist das Mittagessen. Das sieht man auch an den Preisen. Bei Rodizios (All you can eat) zahlt man mittags mehr als abends. Das Mittagessen wird zu Hause, in der Mall, im Restaurant oder einem "Lanchonete" konsumiert. Fruehstueck ist hier sehr nebensaechlich. Cornflakes, Marmelade oder Honig (was ich liebe) wird hier morgens kaum gegessen, und auch nur sehr wenig Brot, von Semmeln ganz zu schweigen und wenn, dann sehr weiss und nicht kunsprig frisch wie bei uns. Stattdessen geht es morgens schon herzhaft zu. Es gibt gebatenen coalho (Kaese), Mortadella (mir scheint, als kennen die Brasilianer keine andere Wurst: Aber wir sind ja auch verwoehnt, im Land der Wurst) und hier im Nordosten auch manchmal gebratene Banane. Aber ich muss sagen, dass ich das Essen hier echt mag. Es gibt tolle Gerichte, und viele leckere suesse Sachen. Acai (eine art Eis aus der Acaibeere) mit kondensierter Milch und Bananen ist ein echter Traum. Auch der Essenablauf ist anders als bei uns. Mir wurde frueher immer gesagt, dass man wartet, bis alle am Tisch sitzen und fragt, bevor man aufstehen moechte. Hier faengt man einfach an und es ist komisch, wenn man nicht anfaengt zu essen, wenn der Teller vor einem steht. Das Essen selbst geht auch sehr schnell. Hier verweilt man nicht lange am Tisch und unterhaelt sich. Wenn das Essen vorbei ist, wird schnell bezahlt und man verlaesst das Restaurant. Hauptbestandteil jedes Gerichts und hier in Brasilien heilig, sind Reis und Bohnen. Sie gibt es hier wirklich zu jeder Mahlzeit und im Supermarkt sind das Reis und Bohnenregal die laengsten im ganzen Supermarkt und man sieht sie in jedem Einkaufswagen liegen. Nudeln werden hier eher wenig gegessen und auch Kartoffeln, die ja eigentlich aus Suedamerika stammen. Bohnen gibt es in jeder Farbe und Form, das Nationalgericht ist Feijoada ein Einopf aus schwarzen Bohnen und unterschiedlichem Fleisch, dazu isst man meist noch Farofa oder Farinha, was an Semmelbroesel erinnert, aber aus Maniok hergestellt wird, und natuerlich, Reis!! Auch finde ich, dass hier wenig getrunken wird. In so einem heissen Land wie Brasilien muesste man eigentlich 3 Liter pro Tag trinken. Hier trinken viele nur ein Glas Wasser am Tag und dann vielleicht noch etwas Saft oder Cola, oder Bier, das hier mehr getrunken wird als Caipirinha. Der Caipirinha hier aehnelt unserem deutschen Caiprinha nur sehr wenig. Und nein, man verwendet keinen braunen Zucker fuer Caipi, sondern weissen und auch ken Crushed Ice, nur Limetten, Zucker und Cachaca!! 2. Religion Religion hat hier einen hohen Stellenwert. Hier wird man ueberall mit Religion konfrontiert. Viele Autos haben Aufkleber mit Aufschiften wie "deus e o senhor" ("Gott ist der Herr"), "deus e fiel" ("Gott ist treu"), "presente de deus" ("Geschenk Gottes"), ...drauf. Es gibt hier eine unzaehlige Vielzahl an Kirchen, die aber ganz anders aussehen als bei uns. Viele erinnern an Garagen und man wuerde sie nicht erkennen, wenn nicht draussen irgendein Hinweis stehen wuerde. Man liest oft christliche Parolen. Kirchentag ist hier nicht nur Sonntags, sonderrn jeden Tag. Irgendwo ist immer ein Gottesdienst, aber gerade Sonntagsabends sieht man viele Leute mt einer Bibel in der Hand, die sich auf dem Weg zur Kirche befinden. In den Bus steigen auch oft (ich nenne sie mal Missionare) ein, die kleine Presente wie Kaugummis, Taschenlampen, etc. an alle Fahrgaeste verteilen, mit einem kleinen Zettel dabei, auf dem etwas ueber Gott steht. Wenn man das Present behalten moechte, gibt einfach 1-2 Real oder man gibt es wieder zurueck. Sowieso dient der Bus als grosser Marktplatz fuer allerlei Haendler und Bettler, die lautschreiend, ihre Botschaft verkuenden. 3. Bus fahren Bus fahren ist hier auch ein Thema fuer sich und fuer mich jedes mal aufs neue abenteuerlich. Mittlerweile komme ich schon gut zurecht, aber mit unserem deutschen Busssystem sind wir echt verwoehnt. Wie oft schon bin ich in den falschen Bus gestiegen oder an der falschen Haltestelle ausgestiegen und stand dann irgendwo in der pampa und musste dann ein Taxi nahmen, weil die Busse hier einfach so verwirrend und chaotisch sind. in Deutschland haelt der Bus an jeder Station und es wird immer genau angesagt, wo man als naechstes haelt. Das ist hier Fehlanzeige. Wenn man den bus nicht an der Haltestelle rechtzeitig mit einem Zeichen stoppt, faehrt er einfach vorbei. (Manchmal tut er das auch trotz Zeichen) Hat man Glueck und er haelt an, muss man sich so schnell wie moeglich auf den Weg zur Tuer machen (fuer Omas und Opas chancenlos), sonst faehrt der Bus einfach los oder man schlaegt gegen den Bus in der Hoffnung, der Busfahrer wartet doch noch kurz. Der Bus wartet keine Sekunde zu lange und faehrt schon los, wenn die Tuer hinter einem noch gar nicht richtig geschlossen ist. Das Ticket kauft man nicht beim "Motorista" dem Busfahrer, sondern bei einer eigens dafuer zustaendigen Person. Eigentlich ganz praktisch wie ich finde. Weniger praktisch ist das daehmliche Drehkreuz bei der "Bezahlfrau/-mann". Wenn man mit Koffer unterwegs ist, muss man diesen muehsam darueber hinweg hiefen. Ausserdem sollte man sich stets gut festhalten, denn die Busfahrt gleicht einer Achterbahnfahrt. Der Busfahrer faehrt, als mache er eine Spritztour mit seinem Gelaendewagen. Jedes Schlagloch wird praezise mitgenommen und jede Kurve mitgenommen, damit der Spass auch nicht zu kurz kommt und man nach Feierabend nochmal schoen durchgeruettelt wird und nicht einschlaeft. Ich warte darauf, dass der erste Bus mal in der Mitte auseinanderbricht. Komischerweise faellt trotz dieser Fahrweise nie jemand im Bus um. Seniorenfreundlich ist der Bus hier auf jeden Fall nicht. Ich glaube, keine Omma, koennte sich dort eine Sekunde aufrechthalten, geschweige denn, sich durch die Massen im Bus quetschen. Wenn man aussteigen will (sofern man erkannt hat, wo man gerade ist: gerade im Dunkeln sehr schwierig) zieht man an einer an der Decke gespannten Schnur. Man sollte sich rechtzeitig zur Tuer durchkaempfen, denn diese geht nur ganz kurz auf. Ist man dann nicht schnell rausgehuepft, faehrt der Bus einfach weiter, ausser man protestiert mit einem lauten "Motoristaaaa!!!" (Siehe Kapitel: Lautstaerke) dann geht die T uer wenn man Glueck hat nochmal auf. Was ich sehr nett finde, ist, dass einem wenn der Bus voll ist und man stehen muss, die anderen Fahrgaeste einem die Sachen, die man in der Hand haelt abnehmen, damit man von diesem Balast befreit ist. Eine schoene Geste. 4. Mode: Brasilianer achten sehr af ihr Aeusseres. Die Haare sind hier immer gut gestylt und man sollte immer gut riechen und trotz der Waerme nicht verschwitzt aussehen. Die Leute haben hier natuerlich weniger an, als bei uns. Die meisten Maedchen, egal welcher Koerperfuelle, quetschen sich in kurze Hotpants und bauchfreie Tops. Diese selbstbewussten Maenner-bezirzenden und meist tanzenden Superfrauen werden dann als "Piriguetes" bezeichnet. Fehlen duerfen zu keinem Outifit, sowohl bei Maennern als auch Frauen die Havaianas (Flip-Flops aus Brasilien nicht aus Hawai, die es hier ) Die Maenner laufen eher sportlich herum und die Brasilianer lieben Hollister, weshalb man hier auch viele Hollister-Fakes findet. Auch Schmuck wird hier offen getragen. (Von wegen, man solle sich nicht zu auffaellig kleiden, um nicht ueberfallen zu werden. Hier laufen manche rum, wie ein Christbaum) 5. Armut In Brasilien gibt es sehr reiche Leute, aber eben auch viele Arme . Vor allem bei Kindern ist das sehr schockierend, denn bettelnde Kinder gibt es in Deutschland doch eher wenig. Oft sieht man Kinder noch um 11 Uhr nachts auf der Strasse rumlaufen, ohne Schuhe und mit dreckigen Klamotten. Gerade wenn man etwas isst, oder irgendwo ansteht, kommen sie und moechten etwas haben. Manche bitten sogar um Wasser oder nur einen Keks. Da wird man schon etwas nachdenklich, und man wuerde am liebsten jedem Kind ein "Pastel" kaufen. 6. Fernsehen und Telenovela Brasilien ist bekannt fuer seine Telenovelas. Jede Stunde gibt es eine andere herzzerreissende, hochdramatische Serie. Die populaerste ist dabei immer die Telenovela um 9 Uhr. Zurzeit ist das "Salve Jorge" und man kommt kaum daran vorbei. Irgendwo laeuft sie immer. Die Strassenverkaeufer schauen sie auf einem kleien Fernseher, waehrend sie ihr Essen verkaufen und im Bus wird sogar auf dem Handy die Telenovela verfolgt. Es gibt ganze Zeitschriften mit Stories und Zusammenfassungen der Telenovela und das Staffelfinale ist ein Muss fuer jeden. Danach kommt dann Big Brother (hier Biggi Bradschi ausgesprochen), dass aber genauso aussieht wie in Deutschland. Fernsehen ist hier sowieso sehr wichtig. In Deutschland wird Kindern vielleicht mal ein halbe Stunde ihre Lieblingssendung erlaubt, hier laeuft er von morgens und abends und keiner verfolgt wirklich was gerade laeuft. Ansonsten laufen hier viele andere skurille Shows, oft mit Gesang und vielen leichtbekleideten Showgirls im Hintergrund. 7. Lautstaerke Brasilien ist laut. Ich glaube, dafuer sind alle suedlandischen Laender bekannt. Eigentlich mag ich dieses Temperament, aber manchmal kann es echt anstrengend sein und fuer mich ist es manchmal nicht nachvollziehbar, warum sich zwei Brasilianer ohne stoerende Umgebungsgeraeuasche so laut unterhalten, sich schon fast anschreien. Ja, ich glaube , dafuer bin ich doch noch zu deutsch. Bei uns wird darauf geachtet, im Zug oder Bus, moeglichst wenig Laerm zu machen, hier wird so laut geredet, dass es auch ja jeder mitkriegt und auch das Handygespraech ueber den neusten "namorado" (Freund) muss natuerlich jeder mitkriegen. Hier laueft immer irgendwo Musik. Entweder toent es aus dem Auto heraus, aus Laeden, oder von kleinen Lautsprecherwaegen, bei denen man Musik kaufen kann. Gehoert wird hauptsaechlich brasilianische Musik, viel im Stil von Michel Telo oder Gustavo Lima. Samba hoert man eher weniger. (Selbst in Rio ) Auch kann es sein, dass man einfach mal so Feuerwerk hoert. Gerade in den Favelas wird gerne damit gespielt. 8. Berufe Es gibt hier echt sehr skurile Berufe und Minijobs. Eine sehr gute Sache, um Arbeitsplaetze zu schaffen. So ist es zum Beispiel ueblich, seinen Wagen nicht selbst zu parken, sondern ihn einem "Manobrista" zu ueberlassen. Diese sind Parkwaechter von kleinen Hinterhoefen, die vollgestellt sind mit Autos. Man gibt einfach seinen Schluessel ab und der Rest wird fuer einen erledigt. Service wird hier echt gross geschrieben. nicht wie bei uns, wo immer mehr Jobs gestrichen oder von Maschienen oder Automaten erledigt werden. Hier gibt es noch Tankwarte; man gibt einfach den Betrag an, fuer den man tanken moechte und alles wird fuer einen erledigt. im Supermarkt (in dem es sooo langsam zu geht!! Die haetten alle mal ne Schulung bei Aldi noetig) werden die Einkaeufe in Tueten gepackt. (nicht so umweltfreundlich; ich packe immer alles in meinen Rucksack, aber mit Rucksack bin ich hier echt die Ausnahme, ich weiss auch nicht wo die Brasilianer ihre ganzen Sachen verstauen) Es gibt Schuhputzer und lustige Jobs, wie Leute, die einfach nur ein Schild mit Werbung in die Hoehe halten oder ein Faehnchen oder Leute, bei denen du Geld wechseln kannst. Ausserdem gibt es auf der Strasse eine Unmenge an Verkaeufern. Es gibt kaum etwas, dass man nicht auf der Strasse kaufen kann. Das finde ich sehr praktisch. Vor allem Wasser, Cola, Guarana (ein brasil. Softdrink) und andere Getraenke gibt es hier an jeder Srassenecke. Ausserdem werden ueberall kleine Snacks verkauft, wie Chips, Hotdogs, Mais, Popcorn, Fleischspiesse (sog. espitinhas), Churros, Coxinhas, Pasteis, Tapioca, ... Man kann echt alles kaufen, von Fakeuhren, Schmuck, Handyzubehoehr, Guerteln, Taschen, Socken, Spielzeug, ... Sogar wenn man im Auto sitzt und an der Ampel wartet, kommen lLeute vorbei, die dir Wasser oder Chips verkaufen wollen, dir die Scheibe putzen, oder ein kleines Kunststueck vorfuehren. 9. Motels Wer bei Motel an ein amerikanisches Motel denkt, liegt falsch. Hier wird ein Motel nicht zum schlafen in Anspruch genommen, sondern es ist ein Etablissement, in das man ohne Gepaeck eincheckt, da man nur ein paar Stuendchen dort bleibt, und das nicht um zu schlafen. Ich glaube, darauf brauche ich nicht naeher einzugehen. Von aussen sind die Motels unverkennbar und es man sieht sie echt ueberall. Sie tragen Namen, wie Romeo, Amor oder Sonho (Traum),... und machen immer mit allerlei Leuchtschrift und Kitsch auf sich aufmerksam. Von Aussen sieht man nur zwei Garagentore. eines mit der Aufschrift Entrada, das andere mit Saida. Der Rest laeuft dann diskret drinnen ab. 10. Daumen hoch Das universelle Zeichen hier in Brasilien ist der Daumen nach oben. Er wird hier eigentlich immer eingesetzt: Wenn man angerempelt wird und nichts passiert ist: Daumen hoch, wenn der Busfahrer einen am richtigen Stop rauslaesst: Daumen hoch, wenn es einem gut geht: Daumen hoch. Dazu wird ab und zu noch einen kurzes "tudo bem" oder "beleza" gesagt. Und auch wenn manches hier ein bisschen motzig oder negativ klingt oder zu penibel: ICH MAG BRASIIEN; jeden Tag sieht man neue Dinge und ich finde es ein wunderbares Land!!!